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Südtiroler Alpenminze

24. Juli 2017

Unser Besuch bei Bio-Kräuterbauer Hans Jörg in den Südtiroler Alpen

Ganz zu Recht befinden sich die Felder unseres Pfefferminzlieferanten in Südtirol. Denn dieser wunderschöne Fleck Erde zeichnet sich nicht nur durch seine traumhafte Bergkulisse und das ideale Klima für den Obstanbau aus, auch Alpenkräuter gedeihen hier unter optimalen Bedingungen. Welche das sind? Wir verraten, worauf Bio-Kräuterbauer Hans Jörg besonders viel Wert beim Anbau seiner Minze legt:

 

Wir haben uns auf den Weg gemacht, um den Bergkräuterbauer Hans Jörg und seinen Bio-Betrieb kennen zu lernen. Nach einer einstündigen Zugfahrt von Meran nach Mals werden wir herzlich von Hans Jörg mit den Worten „Mädls, wir müssen noch den Berg hinauf!“ empfangen. Schwuppdiwupp sitzen wir auch schon im Auto Richtung Kräuterfelder. Während der Fahrt durch verschlafene Bergdörfer deutet er mal links, mal rechts, um uns seine Felder zu zeigen, auf denen er viele verschiedene Heilkräuter anbaut und die malerischer nicht in der Bergkulisse liegen könnten.

Es geht noch weiter den Berg hinauf, bis auf 1600m Seehöhe. Und dann sind wir endlich am Ziel unserer Reise, bei der Pfefferminze, angelangt.

Natürlich ist natürlich besser!

Weit abseits von Straßen und Abgasen, Industrie und von mit Pestiziden behandelten Flächen konventioneller Landwirtschaft, liegt nun endlich das grüne Pfefferminzfeld vor uns. Im Hintergrund der höchste Gletscher der Ötztaler Alpen, der Ortler. Was für ein Anblick! Hans Jörg erklärt uns stolz, dass es heute gar nicht mehr so leicht sei einen naturbelassenen Standort wie diesen zu finden.

Und da ihm ein gesunder Boden, gesunde Luft und Nachhaltigkeit sehr am Herzen liegen, bewirtschaftet er seine Kräuterfelder rein biologisch. Das bedeutet den völligen Verzicht auf den Einsatz chemisch-synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel wie Insektiziden und Herbiziden. Um die Felder unkrautfrei zu halten verwendet Hans Jörg in seinem Betrieb eine wasser- und luftdurchlässige, bodendeckende Folie. Diese hält den Boden gleichmäßig feucht und fördert so die Bodenmikroorganismen und Bodenfruchtbarkeit. Setzen sich doch einmal Unkräuter durch, werden diese händisch entfernt.

Ganz besonders groß geschrieben wird hier die Artenvielfalt. Eine hohe Anzahl verschiedener Feldbewohner sorgt für ein gesundes Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen, was wiederum den Einsatz von Insektiziden unnötig macht. Und dass es an dieser Vielfalt nicht mangelt, merken wir sofort, als wir durch das Pfefferminzfeld streifen. Hier ein Marienkäfer, da eine Heuschrecke, dort eine Spinne, die genüsslich einen Käfer in ihr Netz wickelt. „Ich hoff‘ ihr habt’s keine Angst vor den Tierchen.“, lächelt uns Hans Jörg verschmitzt an, „Weil, davon gibt’s hier zur Genüge!“. Juhu.

Geerntet wird auf dieser Höhe zweimal im Jahr, händisch versteht sich. Aber mit der Ernte ist es ja noch nicht getan. Danach wird die Pfefferminze in eigens konstruierten und errichteten Trocknungsanlagen bei niedrigen Temperaturen bis maximal 40 Grad Celsius getrocknet. „Das ist unsere absolute Schmerzgrenze!“, erzählt Hans Jörg. „Alles, was über diese Temperatur hinausgeht, könnte den Vorgang zwar beschleunigen aber wertvolle Inhaltsstoffe zerstören.“

Er erzählt uns von Spaltöffnungen auf den Blättern, Humus, Bodenproben und schmeißt mit Zahlen nur so um sich. Mit so viel Engagement hätten wir nicht gerechnet. Hans Jörg weiß eben, wie man das Beste aus der Pflanze holen kann, um daraus qualitativ höchstwertigen Pfefferminztee und das ätherische Pfefferminzöl herzustellen.  Anbau, Ernte und Trocknung der Pfefferminze sind eine wahre Philosophie, wie wir im Gespräch mit Hans Jörg feststellen. „Es gibt hier kein Patentrezept.“, betont er. „Jede Pflanzenart, jedes Feld verhält sich ganz individuell abhängig von Seehöhe, Boden und Wetter.

Das muss immer beherzigt werden.“ Automatisiert oder industriell läuft hier nichts.

Was zählt sind aufmerksame Naturbeobachtungen nach denen nachhaltig gewirtschaftet wird.

Am Rückweg, immer den ‚König‘ Ortler, wie er liebevoll von den Einheimischen genannt wird, vor Augen, fragen wir Hans Jörg nach seinem Werdegang und warum er sich für den Bio-Anbau entschieden hat. Er erzählt uns, dass er in den letzten Jahrzehnten den Rückgang der Gletscher vor Ort, die zunehmende Trockenheit und die Zunahme der Wetterextreme beobachtet hat.

Im Angesicht des Klimawandels gab es für ihn nie eine Alternative zur Biolandwirtschaft.

„Was hat man da für eine andere Wahl, als mit der Zeit zu gehen und altes Wissen mit neuen Techniken zu verbinden?!“, fragt er uns. Wir sind da ganz seiner Meinung und wenn wir eines bei Hans Jörg gemerkt haben dann, dass für ihn die Qualität gepaart mit der Verantwortung gegenüber der Natur das Allerwichtigste sind. Beides in dieser Weise erfüllen zu können ist ein hartes Stück (Hand-) Arbeit und sucht seinesgleichen.

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